Sonntag, 13. November 2016

Bratapfel-Tarte

Oder: Bratapfel à la Sarah. Was ich im Herbst und Winter sehr gerne mag, sind Bratäpfel. Gefüllt mit Haselnüssen, Mandeln, Korinthen, Zimt und Aprikosenmarmelade schmecken sie mir einfach wunderbar. Inspiriert von der Sendung "Le Meilleur Patissier", die momentan im französischen Fernsehen läuft und in der die Kandidaten jeweils einen Klassiker auf ihre Art interpretieren müssen, habe ich meine Art des Bratapfels kreiert. Bevor ich allerdings auf das Rezept zu sprechen komme, gibt es nun ein paar Fakten zum Apfel.



In Brauchtum, Legenden, Mythen und Märchen hat wohl kaum eine andere Frucht eine grössere Bedeutung als der Apfel. Die Germanen beispielsweise waren der Ansicht, dass sich der Apfelbaum eines besonderen Schutzes durch die Götter erfreut. So konnten ihm selbst Blitze nichts anhaben, weswegen die Menschen Apfelbäume damals so nahe wie möglich an ihre Behausungen pflanzten.

Wegen seiner Kugelgestalt steht er für Vollkommenheit und wird als Symbol für Schönheit, Glück, Macht und Herrschaft angesehen. Möglicherweise wurde er deswegen zum Krönungszeichen der deutschen Kaiser. Im Inneren des Apfels befinden sich viele Kerne, was ihn zum Sinnbild der weiblichen Fruchtbarkeit und demzufolge zum Wahrzeichen der Liebe macht. Es herrschte auch der Glaube vor, dass Frauen, die während der Schwangerschaft viele Äpfel assen, besonders schöne Kinder auf die Welt brachten.

Im Christentum gilt der Apfel hingegen als Sinnbild der Sünde. Er wurde als Objekt der Verführung angesehen, das zur Vertreibung aus dem Paradies führte: Eine verführerische Schlange brachte Eva dazu, die verbotenen Früchte am Baum der Erkenntnis zu kosten und Eva wiederum verführte Adam zum Ungehorsam. Seitdem sind die Menschen aus dem Paradies verbannt und mit Ursünde und Schuld behaftet. Die Verbindung zum Apfel wurde allerdings erst später hergestellt, da diese Frucht als Symbol der Fleischeslust der christlichen Auffassung von Sünde sehr nahe stand. So trug man früher bei Prozessionen Totenköpfe mit einem Apfel im Mund und mit einer Schlange drum herum, um die Gefahr des Sündenfalls immer vor Augen zu haben.

Und zum Schluss noch dies: Gemäss einer keltischen Sage hofften Könige und Helden, nach ihrem Tod ins legendäre Apfelland zu kommen. Das Paradies wurde Avalon genannt. Noch im Mittelalter stellte man sich eben dieses als einen grossen Garten mit vielen herrlichen Apfelbäumen vor, aus denen wunderschöner Gesang ertönte.



Äpfel schmecken nicht nur köstlich, sie sind auch in gesundheitlicher Hinsicht wahre Multitalente. So kommt eine Studie zum Ergebnis, dass das weisse Fruchtfleisch von Äpfeln vor Schlaganfällen schützen kann. Sie vermögen die Cholesterinwerte zu verbessern und abhalten ausserdem lange satt, weswegen sie auch beim Abnehmen helfen können. Und schliesslich beinhaltet diese Frucht eine Vielzahl an Vitaminen. Sie versorgt uns mit Vitamin B, C und E, und ausserdem noch mit Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium und Eisen. Die Apfelsorte "Berlepsch" weist den höchsten Vitamin C-Wert auf. Die meisten Bestandteile stecken übrigens in der Schale und in den Kernen, weswegen man den Apfel am besten ganz essen sollte.

Zurück zu meiner Bratapfel-Tarte. Mein Ziel war es, beim Reinbeissen das Gefühl zu wecken, einen Bratapfel zu essen. Die Basis bildet ein mit Zimt aromatisierter, knuspriger Mürbeteig, auf dem eine Schicht Aprikosenmarmelade ihren Platz findet. Die Füllung basiert auf einem klassischen "Frangipane", einer Mandelmasse, die ich noch mit Haselnüssen, Korinthen und Zimt verfeinert habe. On top gibt's dann, da es ja eine Abwandlung des Bratapfels ist, natürlich Äpfel.



Was ihr dazu braucht:

Für den Mürbeteig:
100g Mehl
40g Puderzucker
1 Prise Salz
1 Vanilleschote, ausgekratztes Mark
1/4 TL Zimt
50g Butter
1 Eigelb
Etwas Wasser

Für die Füllung:
60g Butter
60g Puderzucker
1/2 TL Zimt
2-3 Tropfen Bittermandelaroma
1 Ei
50g Mandeln, gemahlen
30g Haselnüsse, gemahlen
15g Korinthen

Für das Topping:
1-2 kleine Äpfel
15g Haselnüsse, grob gehackt

Zusätzlich:
1-2 EL Aprikosenmarmelade



Und so geht's:

1. Für den Mürbeteig alle trockenen Zutaten, also Mehl, Puderzucker, Salz, Vanillemark und ZImt in eine Schüssel geben und gut miteinander vermischen. Kalte Butterstücke hinzugeben und mit den Hànden zu einer krümeligen, sandigen Masse verarbeiten. Das Eigelb beifügen und kurz zu einem Teig kneten. Je nach Grösse des Eigelbs muss noch etwas kaltes Wasser hinzugegeben werden. Nachdem der Teig eine geschmeidige Konsistenz erhalten hat, in Frischhaltefolie einpacken und für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.

2. Den Boden einer Springform mit Backpapier (14cm Durchmesser) mit Backpapier auskleiden, eingefettet werden muss sie nicht. Den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Mürbeteig aus dem Kühlschrank nehmen, ausrollen und in die Springform geben. Nochmals für ca. 15 Minuten in den Kühlschrank geben.

3. In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten. Dazu Butter mit Puderzucker, Vanillemark, Bittermandelaroma und Zimt einige Minuten cremig aufschlagen. Das Ei unterrühren, anschliessend gemahlene Mandeln und gemahlene Haselnüsse ebenfalls hinzugeben. Schliesslich noch die Korinthen unterheben.

4. Den Mürbeteig aus dem Kühlschrank nehmen und mit einer Gabel einstechen. Aprikosenmarmelade kurz erhitzen (damit sie ein wenig eindicken kann) und anschliessend auf dem Mürbeteigboden verteilen. Die Füllung gleichmässig darauf verteilen. Sie sollte nicht bis ganz zu oberst kommen.

5. Äpfel vierteln, schälen und vom Kerngehäuse befreien. Ich habe die Viertel anschliessend nochmals gedrittelt und gleichmässig und im Kreis auf der Tarte verteilt. Zum Schluss die gehackten Haselnüsse darüber streuen.

6. Die Tarte wird nun für 35-40 Minuten gebacken. Ich habe sie für 15 Minuten in der unteren Ofenhälfte und die restliche Zeit in der Ofenmitte gebacken. Herausnehmen, abkühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen.



Ich kann euch sagen: Mein Ziel habe ich definitiv erreicht. Dass der Geschmack der Tarte so extrem an einen Bratapfel erinnert, hätte ich selbst nicht gedacht. Der Mürbeteig ist herrlich knusprig, die Füllung cremig weich und wunderbar saftig und die Äpfel, Korinthen und Aprikosenmarmelade sorgen für eine fruchtige Note. Einfach nur köstlich. Wer Bratäpfel mag, wird diese Tarte lieben. Ich wünsche euch viel Freude beim Ausprobieren,

Eure Sarah.

(Informationen zum Apfel finden sich hier: https://www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/essen/termine_2013/termine_2014/14_10_20_schneckentisch_10_2014/20141020_st_apfel/20141020_apfel_mythologie.pdf; http://eatsmarter.de/ernaehrung/news/aepfel-gesund)

1 Kommentar:

  1. Oh Sarah, der sieht ja traumhaft aus!!!
    Ser riecht bis hier!
    LG

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